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Das Spiel mit den Rollen

Auf der Suche nach den Knackpunkten, an denen gute Leistung zerbrechen kann, bin ich immer wieder auf Aussagen, wie die folgenden gestoßen:

„Mein größtes Problem war, dass die Rollen im Projekt nicht klar definiert waren.“ oder „Hätte ich gewusst, dass man dies oder jenes von mir erwartet, hätte ich anders gehandelt.“

Nun, wie sagte der Eisbar im lustigen Puppensketch von Rene Marik (Titanic – Neulich auf dem Eisberg): „Hätte, hätte liegt im Bette!“ Denn: Im Nachhinein ist dies nicht mehr zu klären. Deswegen ist es wichtig Klarheit über unsere Rollen zu gewinnen.

Unklarheit aus dem Weg schaffen

Eigentlich ist das kein Wunder, dass in diesem Punkt immer wieder Unklarheit und Missverständnisse herrschen. Bedenkt man wie viele Rollen wir in unserem Leben bekleiden und ausfüllen sollen. Manche davon spielen wir gern. Andere bekommen wir zugeschrieben und spielen Sie eher mit Last als mit Lust oder sogar unfreiwillig.


Die Rolle in der Soziologie

Die Rollentheorien haben mich schon während meines Soziologiestudiums fasziniert. Die soziale Rolle ist ein zentrales Thema in der Soziologie. Listet man die Namen derer auf, die darüber geforscht haben, erhält man eine kleine Geschichte der Soziologie. Der Ursprung geht auf Ferdinand Tönnies ins 19. Jahrhundert zurück. Er beschreibt erstmals den Menschen als soziale Person und Träger sozialer Rollen.

Der Rollenbegriff ist dabei dem Theater entliehen und beschreibt dort die unterschiedlichen Charaktere, grenzt sie gegeneinander ab und macht es den einzelnen Schauspielern so möglich jeweils in ihre Rolle zu schlüpfen. In der Geschichte der Soziologie reichen die Forschungen und Theorien zur sozialen Rolle bis in die Gegenwart hinein. Dabei tauschen Namen wir Karl Marx, Georg Simmel, Talcott Parsons, Ralph Dahrendorf auf. (Den ehemaligen Soziologiestudenten unter Euch fallen jetzt die Vorlesungen aus den ersten Semestern wieder ein, nicht wahr?)

Aber was ist sie nun, die soziale Rolle?

Einige Rollen oder Rollenmerkmale sind sozusagen angeboren. Es sind Geschlecht, Alter, Hautfarbe, o.ä. Diese sind nicht bis kaum veränderbar und ein Grundpfeiler unserer Identität. Natürlich gibt es Rollenkonflikte in diesem Bereich der zugewiesenen Rollen, aber den betrachten wir heute nur am Rande. Für die anderer Kategorie, die sog. Erworbenen Rollen ist ein Handeln notwendig. Diese erlangt man, indem man Ausbildungen macht, übt, trainiert oder vielleicht heiratet. Dann wird man Designer, Geigenspieler, Profifußballer oder Ehemann. Dies sind die Rollen, die ich heute betrachten möchte, denn in dieser Kategorie sind die Berufsrollen angesiedelt.

An jede Rolle sind Erwartungen, Handlungsmuster und Verhaltensweisen geknüpft. Werden diese nicht erfüllt drohen soziale Sanktionen. Aus allen Rollen, die wir einnehmen, ergibt sich der sogenannte Rollensatz. Dieser Begriff geht auf Robert K. Merton zurück. Mit diesem Satz an Rollen und damit Erwartungen, Handlungsmuster und Verhaltensweisen läuft also jeder von uns durch die Welt.

Je nach sozialem Kontext handeln wie nach dem einen oder anderen Muster und spielen nahezu selbstverständlich in jedem der Stücke unseren Part.


Intra- und Interrollenkonflikte

Unter Umständen sind das pro Person wirklich viele Rollen. So ergeben sich fast automatisch Interrollenkonflikte. Zwischen zweien oder mehreren Rollen einer Person ergibt sich ein Konflikt, der eine Klärung erfordert. Mache ich jetzt noch die Präsentation fertig und bin ein braver Arbeitnehmer oder fahre ich nach Hause und bereite in meiner Rolle als Vater das Familienabendessen pünktlich vor?

Intrarollenkonflikte entstehen durch unterschiedliche Erwartungen von Bezugsgruppen. Beispielsweise kann der Chef andere Anforderungen an einen herantragen als der Kollege. Eine Rolle, zwei verschiedene Erwartungen ergibt, ja genau, einen Klärungsbedarf!

Innen und Außen

Die sozialen Rollen beschreiben, so wie es der Wissenschaft der Soziologie zu eigen ist, das Außen und das soziale miteinander. Doch wagen wir jetzt bei alle dem Rollenwirrwarr noch einen Blick nach innen. Kommunikationspsychologe Friedemann von Schulz von Thun hat das Modell des Inneren Teams entwickelt. Auch hier geht es um Rollen, die den in Außen gar nicht so unähnlich sind.

Jedoch sind die laut Schulz von Thun nur in uns aktiv. Und zum Überfluss lebt in jedem von uns auch noch ein anderes Team. In mir zum Beispiel könnten die Übermutige, die Vorsichtige, die Rationale und die Optimistische leben. (Rein theoretisch, versteht sich.) Nun stellen wir uns vor, all diese senden mir gleichzeitig Signale. Chaos vorprogrammiert. Da muss man schon gut hinhören, um die richtigen Schlüsse zu ziehen.


Das Innere Team spricht mit mir

Dadurch, dass sich mein Inneres Team relativ gut kennt, haben sie schon eine Sprechordnung. Einer ist fast immer lauter und setzt sich durch. (Wer mag das wohl sein?) Aber die anderen sind auch da und haben ihre Meinung zu Situationen und Themen. Manchmal mag es sinnvoll sein, nicht dem lautesten zu lauschen , sondern grad dem Leisen, der im Verborgenen seine Bedenken äußert und mir vielleicht heimlich Kopf- oder Bauchschmerzen verursacht.

Jetzt stehen wir alle da mit unseren Rollen … Ich stelle mir gerade einen Raum vor, in dem sie alle versammelt sind. Die sozialen Rollen und das Innere Team. Manche von denen kommen sofort ins Gespräch und feiern eine Party. Andere wollen wirklich gar nichts miteinander zu tun haben.

Unsere Rollen wollen also gespielt werden! Aber wir entscheiden meistens, wann wir welche spielen. Wie gehe ich also mit dem Rollenwirrwarr sinnvoll um?

5 hilfreiche Souffleusen im Rollenspiel

  1. Die Besetzung kennen
    Jeder von uns kennt das Gefühl, dass die Rollen irgendwie ungeklärt nebeneinander her existieren, man vielleicht mal das falsche Handlungsmuster ansetzt. Da hilft nur: Klarheit schaffen! Werde dir bewusst über all deine Rollen. Lad sie alle in einen Raum ein und schau sie dir an. Die äußeren Rollen sind wahrscheinlich relativ schnell alle da. Aber für die inneren solltest du dir etwas Zeit gönnen. Beobachte dich und finde heraus, wer in dir agiert und warum.
  2. Klarheit
    Dies ist für dein Inneres Team sicher auch wertvoll. Viel bedeutender für das Miteinander ist es jedoch, dass du deine sozialen Rollen für dich und für andere deutlich klärst. Ich halte das für einen der Grundpfeiler der guten Zusammenarbeit. Um zurück zur Theatermetapher zu kommen. So richtest du dir die Bühne ein, machst Markierungen auf dem Boden und klärst Übergänge und deinen Einsatz.
  3. Abgrenzung
    Bleiben wir bei der Metapher: Durch die Abgrenzung gibst du den Charakteren ihre Unverwechselbarkeit. Es wird klar, was sie machen, wozu sie zuständig sind und wozu eben nicht.
  4. Ambiguitätstoleranz
    Dieses Wort … ich fand mich sehr schlau, als ich wusste, was es bedeutet. Aber das Wort zu kennen ist eine Sache, viel wichtiger ist es diese Toleranz gegen über Diskrepanzen, das bedeutet es nämlich, auch zu haben. Unstimmigkeiten und Disharmonieren können immer entstehen. Manche gilt es auch einfach mal auszuhalten und zu tolerieren, anstatt immer die 100% Klärung anzustreben.
  5. Eigenes Wertesystem
    Nimm dir die Zeit und definiere dein eigenes Wertesystem. Mit dieser Basis schaffst du einen Bezugsrahmen für all deine Rollen. Denn deine grundsätzlichen Werte, wie zum Beispiel Ehrklichkeit, Loyalität, Hilfsbereitschaft, o.ä., sind für alle deine Rollen wichtig und geben wir ein Fundament. Auch neue Rollen kannst du so schnell in deinen Rollensatz einfügen.


All world’s a stage!

Kein geringerer als William Shakespeare hat diesen Satz gesagt. Und ja, ich glaube, er hat Recht damit. Unserer Aufgabe ist es also für die unterschiedlichen Bühnenbilder gerüstet zu sein. Unseren Platz, unseren Einsatz und unseren Text zu kennen. Und je besser wir unsere Rollen kennen, umso mehr können wir auch gestalten, unser Drehbuch schreiben.

Was dir dann sicher auch besser gelingt, ist die Rolle anderer zu erkennen und Reaktionen einzuordnen und zu relativieren. Dazu an anderer Stelle mal mehr…

Und? Welche deiner Rollen spielst du am liebsten, besten, einfachsten? Sieht das für dich nach einem Konzept aus, mit dem du dein Leben leichter machen kannst?

Ich freue mich über Feedback!

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