Die Bessere Achse

Warum ich bei der Initiative „Die bessere Achse“ mitmache?

Zugegeben als ich den Namen zum ersten Mal las, war ich nicht begeistert. Zum Glück war Carsten Rossi der Urheber. Von ihm bin ich vieles gewohnt, aber sicher nicht dummes Zeug. “Die bessere Achse” geht zurück auf eine Formulierung von G.W. Bush in 2002. Er beschrieb damit den Feind, die Terroristen und deren Unterstützer. Die Achse des Gute ist hier im deutschsprachigen Raum durch einen Blog vertreten und nimmt eine Position ein, der ich sicher nicht folgen möchte, schon gar nicht beitragen. Wer mehr dazu wissen will, bitte selbst googlen.

Nun aber zurück zur Besseren Achse: Abgesehen von dem Namen stehe ich nämlich nicht nur ein bisschen, sondern sehr hinter der Idee. Es geht darum einen Gegenpol zu bilden – gegen (Rechts-)Populismus und falsche Meldungen. Darum eine wertvolle Debattenkultur zu etablieren.

In einem gemeinsamen Statement drücken wir das so aus:

Ich stehe ein für einen humanen, konstruktiven und wertschätzenden Diskurs auf Basis verifizierter Fakten. Deshalb engagiere ich mich gegen Populismus, Rassismus und Lügen. Allen Menschen und Gruppen, die Opfer solchen Verhaltens werden, stehe ich durch unterstützende Kommunikation zur Seite.

Soweit unser Statement. Wichtig, richtig, moralisch wertvoll. Um jedoch die Kommunikationshoheit zu erlangen, müssen wir zukünftig nicht nur reagieren, sondern auch agieren. Gemeinsam arbeiten wir an einer Strategie, dies zu tun. Allen voran Carsten, dem ich sehr dankbar bin für seine Initiative.

Doch auch hier stehen wir aus meiner Sicht noch sehr passiv da. Wir reagieren, decken auf, recherchieren neu. Das ist wichtig, das ist gut. Was ist das Bessere, das Gute, Wahre, Schöne, das wir aktiv entgegen halten können?

 

Vom Guten, Wahren und Schönen

Ich weiß, dass es das gibt. Und glücklicherweise erlebe ich es jeden Tag. Mein Tag ist gespickt von Gutem, Wahrem und Schönen. Ich habe eine tolle Familie, ein Zuhause, gute Kollegen und viele tolle Freunde. Die kommen von überall her, allein die halbe Familie lebt 10.000 Kilometer entfernt in einer ganz anderen Kultur als unserer. Und es ist schön und bereichernd so zu leben. Doch wo und wie spreche ich darüber?

 

Oft muss ich mir selbst in Erinnerung rufen, wie gut es mir eigentlich geht. Und ich denke, dass es vielen so geht. Auch vielen, die ob der aktuellen politischen Lage sehr verunsichert sind. Und vielen Menschen in Deutschland geht es – ob aus schwerwiegenden Gründen oder weil sie es sich nicht bewusst machen – auch gar nicht so gut wie mir. Die Gruppe, die sich hier bei der Besseren Achse zusammen gefunden hat, verfügt sicher über einen ähnlichen Lebensstil und ähnliche Möglichkeiten, wie ich selbst. Es geht uns gut. Nach objektiven Maßstäben, wie Gesundheit und Wohlstand, und ich denke, auch bei vielen aus dem subjektiven Empfinden heraus.

 

Geht’s uns allen gut?

“Die unentschlossene, unbeteiligte (bürgerliche) Mitte auf der Suche nach Orientierung” (Definition ist Arbeitsstand), die wir ganz bewusst ansprechen wollen, empfindet das – vielleicht zum Teil aus ganz stichhaltigen Gründen, nicht so. Es geht dabei oft um Verteilung von Gütern, von Geldern oder auch einfach dem Zugang zu etwas. Sei es Bildung, seien es andere kulturelle Errungenschaften.

Aufgrund meiner eigenen Herkunft weiß ich, dass es möglich in Deutschland möglich ist, mit Fleiß, Können und Einsatz etwas zu erreichen. Auf diesem Weg begleiteten mich viele wohlwollende Unterstützer, die mir allen voran meinem Mutter, immer vermittelt haben, mich nach Werten und nicht nach Regeln zu orientieren. Meine eigenen Entscheidungen zu treffen und zu ihnen zu stehen. Und Deutschland bietet die Möglichkeit, dies zu tun.

Ein Land, das bereit ist Millionen Menschen aufzunehmen. Und ebenso bereit und in der Lage, die eigenen Einwohner, sein Volk zu unterstützen. Mit diesen Gedanken laufen ich bereits seit einigen Tagen durch Frankfurt. Eine Stadt, in der jede erdenkliche Bevölkerungsschicht zu beobachten ist. Während ich darüber nachdachte, wie viel Gutes dieses Land seinen Bewohnern bietet, lief ich an zwei Obdachlosen vorbei, die in eisiger Kälte an einer Bushaltestelle schliefen.

Deutschland bietet die Möglichkeit zu einem guten Leben

Und dennoch bleibe ich dabei: Nicht alles in unserem Land ist gut geregelt und auch nicht immer fair. Aber jeder bekommt Hilfe, wenn er danach fragt und sich an die in dem Fall gegebenen Regeln hält. Viele Regeln, von denen ich selbst mittlerweile profitiere, das Steuersystem zum Beispiel, halte ich für unfair. Aber darüber muss diskutiert werden. Sachlich und anständig.

Aber noch wichtiger: Das positive an unserer Gesellschaft muss (wieder) sichtbar gemacht werden. Wir leben in einem freien Land. So frei, dass ich sogar dieses Land selbst kritisieren darf, ohne ins Gefängnis zu kommen. Aber Freiheit hat eine Kehrseite: Unsicherheit.

Gegen Unsicherheit stark machen

Und diese machen sich Populisten zu gerne zu nutze. Unsicherheit und Angst macht die Tür auf für einfache Schuldzuweisungen und plakative Lösungen. Was hilft? Aufklärung und Bildung. Und genau dies sollen meine Maxime sein. Ich möchte mich – ergänzend zu dem Statement von oben – für eine neue und andere Art zu Lernen und Arbeiten einsetzen. Lernen und Arbeiten deswegen, weil es für mich sicher in der Schule anfängt, aber dort lange nicht aufhört.

Das tue ich zum Teil schon mit den Gedanken in meinem Blog hier. Denn bei allem Bemühen geht es um Mündigkeit. Darum, dass ich mich frei, auf Basis vermittelter Werte und Wissen, für eine differenzierte, ganz eigenen Meinung entscheiden kann. Das hat viel mit (Selbst-) Reflektion und Mut zutun. Diese Fähigkeiten gilt es zu stützen, zu fördern und überhaupt möglich zu machen.

Und jetzt mache ich mit statt Gedanken, ein vielleicht noch kein Bier, aber sicher das Herz auf!*
Weitere Artikel der Besseren Achse:

*Frei nach “Nichts” von Sarah Lesch

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