extrameile

Wo sind all die Extrameilen hin?

Der Dezember läuft unter dem Motto “Der reinigende Dezember – Let’s rant!”. Endlich erlaube ich mir zu motzen. Und die erste Motzsession geht an einen meiner Lieblingsaufreger: die Extrameile. Wohl bekannt aus Motivationsreden oder Stellenanzeigen.

Wenn ich Extrameile höre, denke ich unweigerlich an den Ausspruch:

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

Denn ich glaube, es ist grundsätzlich nicht die allerböseste Absicht, wenn der nächste mal wieder zu einer Extrameile aufruft. Ganz davon abgesehen, dass es sowieso fragwürdig ist, jemanden motivieren zu wollen, frage ich mich immer, warum.

 

Warum denn Extrameilen gehen?

Warum arbeiten wir scheinbar in einer Umgebung, in der wir ständig Bedarf haben, Extrameilen zu gehen? Kann es vielleicht sein, dass wir vor dem Extra was nicht so ganz richtig gemacht haben? Sind Extrameilen nicht per se schon so etwas wie die Feuerwehreinsätze, die ohnehin keiner mag? Schon allein diese Begriffe … Meine Güte, dort wo diese Dinge gefordert werden, arbeiten wir die meiste Zeit an einem Computer, an einem Schreibtisch oder Konferenztisch. Von diesen Menschen läuft am Tag fast niemand auch nur eine Meile. Geschweigen denn löscht er Feuer.

Wie wäre es, wenn wir dorthin zurückkehren, wo wir eigentlich sind? Wir machen die Arbeit, für die wir bezahlt werden. Und Extrameilen machen wir einfach nicht, beziehungsweise nicht zum Schluss. Das ist nicht das Tüpfelchen auf dem i. Gar nicht.

Denn was ist so eine Extrameile den eigentlich? Ja, genau. Ein Umweg. Und? Willst du ihn noch immer so gerne gehen?

Das ist in etwa so, als plante ich eine Reise nach Großenenglis. Und dann bin ich die x Kilometer gereist, die ich eingeplant habe und bin aber immer noch nicht da. Was jetzt? Hm. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste: Ich bleibe dort, wo ich angekommen bin. Könnte unter Umständen ein trauriges Unterfangen sein. Je nachdem, wo ich gelandet bin. Oder eben ich laufe Extrameilen. Und komme doch noch bei meiner Familie an und kann dort Weihnachten feiern.

 

Was war dann so falsch an Extrameilen?

Erstmal ja gar nichts. Es war vielleicht eine zusätzliche Anstrengung, die ich so nicht vorausgesehen habe. Oder es gab auf dem Weg etwas anderes, interessantes, das ich aufgehalten hat. Dann waren die Extrameilen vielleicht sogar gewollt oder bereichernd. Oder ich habe einfach eine Abfahrt verpasst. Ist ja auch nicht weiter schlimm.

Und da sind wir beim Punkt. Denn das ist es, was ich über Extrameilen denke: Sie gehören dazu. Man braucht sie gar nicht “Extra” nennen.

 

Mach einfach nur Meilen

Es ist ein bestimmender Teil unserer Welt und Arbeit, dass wir gerne die 100% Kontrolle durch Planung erreichen wollen. Und dann, klar, dann ist der Weg festgelegt und rechts und links vom Weg gibt es nichts. Was dann passiert? Die Realität. Sie passiert einfach. Und plötzlich müssen wir sie gehen, die Extrameilen. Denn das mit der Planung von oben nach unten durchstrukturiert, das klappt einfach nicht.

Ganz davon abgesehen: Rechts und links vom Wegesrand gibt es Interessantes, Schönes und Bereicherndes. Nimm das doch einfach gleich mit. Wenn du am Ende auf die Extrameile wartest, mag es sein, dass du die durch trostloses Gebiet gehen muss. Nicht schön, nicht bereichernd, aber du musst sie gehen!

Und damit mein Appell an all die Extrameilen-Forderer dieser Welt:

Lasst die Leute vorher ihren Weg selbst gehen! Und zwar nicht nach Karte und Plan, sondern selbst. Gebt Ihnen Raum und Zeit, den eigenen Pfad zu finden. Dann braucht ihr sie am Ende nicht zu Extrameile in trostlosem Wüstengebiet motivieren. Und die Ergebnisse werden auch gut sein. Sehr gut. Excellent. Echt jetzt!

 

Nächste Woche im reinigenden Dezember: Rumgedruckse – die Kunst des Sichnichtfestlegens als Lebens- und Arbeitsform

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