Ferngesteuert? Wer hält deine Zügel in der Hand?

Heute bestimme ich! Über meine Freizeit, meine Arbeit, meine Wünsche. Einfach über alles, was mich betrifft.

Und jetzt mal ehrlich und Hand auf’s Herz: Wie oft kannst du das von dir behaupten? Wie viele Tage in der Woche lebst du komplett selbstbestimmt und autonom? Oder sollte ich kleinere Brötchen backen? Wie viele Minuten am Tag ist das so?

Ich befürchte, dass viele von Euch genauso denken wie ich persönlich auch. Zeit für mich, in der ich frei wählen kann, was ich tun will, ist rar. Wir fühlen uns fremdbestimmt bis hin zu ferngesteuert. An der Arbeit ist es der Chef, der einem permanent im Nacken sitzt. Zuhause ist es die Familie die nach Zeit fragt, nein nicht fragt, sondern fordert.

 

Fremdbestimmung – was ist das?

Aber ist das wirklich so? Psychologisch wird Fremdbestimmung als etwas beschrieben, das nicht mit dem Selbst übereinstimmt, es aber trotzdem maßgeblich beeinflusst. Klar, das kann die Anordnung vom Chef sein, heute nochmal zwei Stunden länger zu arbeiten, sieben Projekte mehr zu leiten oder die berühmte Extrameile zu gehen. Du kannst dir garnicht vorstellen, wie sehr mich die Forderung nach der Extrameile nervt. Warum muss ich denn Extrameilen gehen, wenn ich meinen Job gut mache? War da vielleicht was mit der Vorbereitung nicht ok? Mit den Ressourcen oder gar den Zielen? Aber das ist ein anderes Thema. Sicher schreibe ich dazu noch mal länger.

Nun zurück zu dem, was uns angeblich bestimmt: Das Fremde, etwas außerhalb von uns. Ich finde es tatsächlich interessant, dass solche Beschwerden immer wieder zu hören sind. Da nehme ich mich selbst ganz und gar nicht aus. Auch ich habe immer wieder die Tendenz, die Verantwortung für mein Leben abzugeben und mich auf den Ohrensessel zu setzen und zu motzen.

 

Raus aus dem Ohrensessel

Dort sitze ich dann und meckere vor mich hin. Darüber, dass die anderen mal wieder alles falsch gemacht haben. Darüber, dass die Umstände wirklich unveränderlich gemein und gegen mich sind. Oder darüber, dass die Ansprüche der anderen nun wirklich überzogen sind. Das ist ganz bequem. Den Leidensdruck, den ich aufgrund der Fremdbestimmung tatsächlich spüre, schreibe ich ursächlich den anderen zu. Damit bin ich aus dem Schneider, selbst etwas für mich zu tun.

Was mich daran hindert, in meinem Ohrensessel sitzen zu bleiben, ist eine Erkenntnis, die ich während meiner Coaching-Ausbildung intensiviert erfahren und verinnerlicht habe. Die anderen kann ich nicht ändern, nur mich selbst. Das klingt beim Thema Fremdbestimmung erstmal seltsam. Denn das andere bestimmt ja über mich.

 

Erkennen und Akzeptieren

Wie ändere ich also mich, damit das andere nicht mehr über mich bestimmen kann? Das muss die Frage sein! Denn nur das kannst du beeinflussen.

Dazu ist es zunächst mal wichtig, zu wissen, was das eigenen Selbst ausmacht. Das allein ist eine Mammut-Aufgabe. Die gute Nachricht daran ist, um Fremdbestimmung abzubauen, bedarf es nicht gleich der 100%igen Selbsterkenntnis und -bestimmung.

Man kann nur dann bewusst in Übereinstimmung mit sich selbst entscheiden, wenn man sich selbst erkennt.
Man kann sich nur erkennen, wenn man sich dazu entscheiden kann, es zu tun.
www.seele-und-gesundheit.de

 

Schritt für Schritt aus der Fremdbestimmung

Mit Erkennen hat der Weg aus der Fremdbestimmung wirklich viel zu tun. Es gilt vorsichtig zu prüfen, welche Motive mich in einer bestimmten Situation zum Handeln bewegen. Eine Fremdbestimmung – und das ist wirklich wichtig zu wissen – muss auch nicht immer von Außen kommen. Viele Glaubenssätze, die tief in uns verankert sind, bestimmen unser Handeln genauso fremd wie der Chef oder die bucklige Verwandtschaft. Ganz unterbewusst, richtest du dein Handeln nach ihnen aus.

Willst du herausfinden, welche Glaubenssätze dich bestimmen? Lade dir meinen kostenlosen Test zu den sogenannten Antreibern runter und finde es heraus.

Auch dieses Bewusstsein bringt dich schon weiter. Es geht ohnehin nicht immer darum, alles gleich zu verändern oder neu zu machen. manchmal hilft eine klare Sicht auf die Situation und das Forschen nach den Motiven, um die Perspektive zu wechseln und neu zu bewerten.

Erst dann kann ich nach und nach ins Handeln kommen. Bestimmte Gegebenheiten kann ich vielleicht wirklich nicht oder nie selbststeuern. Dann heißt es, sie zu akzeptieren, sie sein zu lassen. Aber auch wenn ich die Situation nicht ändern kann, kann ich mich entscheiden, ob ich mich ihr stelle oder ihr entziehe.

 

Bewusste Entscheidungen für Leichtigkeit

Der Akt des Übernehmens von Verantwortung ist hier der eigentliche Schlüssel zu mehr selbstbestimmten Handeln. Und das macht uns auf Dauer glücklicher, leichter und auch gesünder. Forschungen zum Thema Zeitmanagement haben ergeben, dass nicht die Quantität der entscheidende Stressauslöser ist, sondern die Qualität der Arbeit.

„Großer Stress entsteht, wenn man etwas macht, das einem nicht entspricht, wenn man mit Aufgaben konfrontiert ist, mit denen man sich nicht innerlich verbinden kann.“ Götz Werner, Gründer der dm-Drogeriekette

Und obendrauf, so meine Überzeugung, wird die Arbeit auch noch besser. Mit der Identifikation wächst dann auch das Qualitätsbewusstsein. Sicherlich findet das auch Götz Werner, denn ich unterstelle ihm, bei aller Menschlichkeit auch ein gewisses unternehmerisches Interesse an der guten Arbeit seiner Mitarbeiter.

 

Kurze Übung für den Alltag

Ich bin mir sehr darüber bewusst, dass wir nicht alle jeden Tag das große Optimierungsrad drehen wollen. Das wäre auch nicht zielführend, da es uns überfordern würde und dann keinerlei Ergebnisse liefert. Aber ein kleines bisschen kann man vielleicht doch jeden Tag tun.

Auf der Suche nach kleinen Übungen, die Fremdbestimmung zu minimieren, bin ich bei www.seele-und-gesundheit.de auf eine sehr alltagstaugliche gestoßen.

Frage dich zweimal am Tag:

Welchem Impuls folge ich jetzt?
Stimmt er mit mir überein? Oder tue ich, was Umstände von mir erwarten?

Damit kommst du deinen Motiven auf die Spur und verstehst deine Beweggründe. Gleichzeitig wirst du auch weniger Druck spüren, wenn es dir gelingt, die Aufgaben, die du zwar nicht selbst gewählt hast, aber trotzdem machen muss, als solche zu erkennen und (für den Moment) zu akzeptieren. Denn erkennen und akzeptieren sind sie ersten Schritte auf dem Weg der Veränderung.

 

Nimm die Zügel selbst in die Hand und reite entspannt nach Westen, der Sonne entgegen. Natürlich nur, wenn du das willst.

  1. Den inneren Antreibern/Kritikern/Glaubenssätzen ist so viel schwerer entgegen zu treten als der Fremdbestimmung von außen. Die ist ja meist relativ leicht zu erkennen und dadurch greifbarer, während erstere erst einmal entdeckt und als solche enttarnt werden müssen. Aber ein umso wichtiger Schritt hin zu einem selbstbestimmten Leben…
    Interessanter Beitrag, es macht Freude, deinen Gedanken zu folgen!

    • Liebe Lina, danke für deinen Kommentar.
      Und ja, was in uns drinnen passiert, erkennen wir meist weniger gut, als alles außen rum.
      Ich freue mich, wenn ich zu einem kleinen, weiteren Schritt inspirieren kann. … und einfach auch, wenn ich dir Freude beim Lesen bereiten kann!
      Federleichte Grüße,
      Kerstin

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