Lebensfreude

Was ist echte Lebensfreude?

Etwa seit den 1970er Jahren beschäftigt sich die moderne Wissenschaft mit der Forschung nach dem Glück und der Zufriedenheit mit und der Freude am Leben. Im Zentrum einer sogenannten Positiven Psychologie sind sehr die Faktoren Mut, Achtsamkeit, Hilfsbereitschaft und Gerechtigkeit genannt. Sind diese Faktoren im Leben vorhanden, kann ich mich daran erfreuen, kann ich Glück und Lebensfreude empfinden.

Doch bereits in der Antike haben Denker wie Epikur und Aristoteles Glück definiert. Für Epikur ist Glück hier als die Abwesenheit von Unglück, also Leid, Scherz und Kummer beschrieben. Aristoteles jedoch Verknüpft es mit der Erfüllung der Aufgaben, die uns das Leben stellt.

Er nennt es ergon. Diese Aufgaben hängen von unseren Möglichkeiten und Fähigkeiten ab. Hier sind wir dann sehr schnell in der modernen Arbeits- und Bildungswelt. Erfülle ich eine Aufgabe, empfinde ich eine Zufriedenheit, das Gefühl des „Geschafft!“ Ich denke, es erklärt sich fast von selbst, dass ich Aufgaben eher erledigt bekomme, je besser sie zu meinen Fähigkeiten und Möglichkeiten passt.

Beim Stöbern in den verschiedensten Definitionen von Glück und Lebensfreude stößt man relativ schnell auch auf Genügsamkeit. Mit dem zufrieden zu sein, was man hat, und nicht dauerhaft nach mehr zu streben, macht es erst möglich, einen Status zu erlangen in dem man Freude am eigenen Leben empfinden kann. Somit ist es wieder, die Abwesenheit von Negativem, wie Druck, nicht erfüllte Grundbedürfnisse oder Abhängigkeiten von schlechten äußeren Bedingungen.

Lebensfreude und auch Glück sind subjektive Empfindungen. Genau das macht die Glücksforschung schwierig. Zwar werden Glücksgefühle auch im Gehirn durch ihnen bereits durch Forschungen zugeordnete Aktivitäten im EEG sichtbar, jedoch sind die Auslöser individuell. Chemisch betrachtet handelt es sich zwar um die gleichen Botenstoffe, wie Dopamin, Oxytocin oder Serotonin, wann jedoch eine solche Ausschüttung beginnt ist wieder – genau! – individuell.

Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge.

Wilhelm Busch

Wenn ich nun in der Lage bin, diese chemikalischen Prozesse zu bemerken, die schon die kleinen Dinge auslösen können, und diese als Freude und Glück zu empfinden, bin ich sehr wahrscheinlich ein glücklicherer Mensch. Glücklicher mindestens als andere, die es nicht wahrnehmen. Wilhelm Busch, den ich für einen akribisch genauen Beobachter menschlicher Empfindungen halte, bringt es in seinem Zitat auf den Punkt.

Diese Glücksgefühle wahrnehmen zu können ist Glück, sie nicht zu bemerken, macht unglücklich. Damit wären wir auch schon bei asiatischen Lehren und Lebensweisen angelangt. Ein sehr wichtiger, wenn nicht der wichtigste Teil der Meditation, ist die Achtsamkeit. Achtsamkeit mit sich selbst und anderen. Die Konzentration auf die aller kleinsten Dinge. Mit dem Atmen fängt es an. Ich bin kein Meditierer. Ich habe es leider noch nie wirklich geschafft. Aber es steht oben auf meiner Liste, der Dinge, die ich ausprobieren möchte.

Ein weiterer Aspekt des Glückes ist seine schier unendliche Teilbarkeit. Habt ihr schon einmal wahrgenommen, wie sehr sich Euer Umfeld bedingt durch Eure eigenen Stimmung verändert? Glück und Freude sind ansteckend.

In beide Richtungen sogar, behaupte ich. Ist man glücklich, fröhlich und optimistisch, strahlt das auf andere. Macht man einen anderen glücklich, bleibt es nicht bei der Person, sondern strahlt zurück. So ist es ein Geben und nehmen von positiven Gefühlen. Funktioniert sicher auch bei negativen. Ist aber nicht so erstrebenswert, dies zu erlernen, oder?

Glück ist ein Parfüm, das du nicht auf andere sprühen kannst, ohne selbst ein paar Tropfen abzubekommen.

Ralph Waldo Emerson

 

Was ist sie nun, diese Lebensfreude, die das Arbeiten besser machen kann?

Lebensfreude beim Arbeiten zu empfinden, macht wahrscheinlich auch die Ergebnisse besser. Nun sollten wir aber nicht erwarten, dass wir fröhlich und beschwingt alle möglichen Aufgaben angehen, nun da wir wissen, dass das besser wäre. Sondern viel mehr sollten wir viel öfter die Freude an dem erkennen, was wir schon tun. Meist erfordert das mehr Aufmerksamkeit auf das, was in uns passiert.

Der Nürnberger Professor Karlheinz Ruckriegel fasst es folgendermaßen zusammen:

„Wer etwas dafür tut, glücklicher zu werden, fühlt sich nicht nur subjektiv besser, sondern hat auch mehr Energie, ist kreativer, stärkt sein Immunsystem, festigt seine Beziehungen, arbeitet produktiver und erhöht seine Lebenserwartung.“

Also, worauf warten wir noch. Ich bin überzeugt, wir haben es in der Hand.

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