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Do not hesitate to decide! Nicht-Entscheiden als Nervfaktor

Kennst du die Floskel unter den E-Mails? Do not hesitate to contact me. Ich würde so oft gern schreiben: Do not hesitate to decide! Oder auf deutsch: Entscheiden Sie sich bitte! Und als Subtitel sozusagen schiebe ich hinterher, dass sie es auch noch verständlich mit mir teilen sollen, also so, dass ich die Entscheidung verstehe und Handlungen ohne Kaffeesatzlesen daraus ableiten kann.

Das Thema Entscheidungentreffen und kommunizieren ist ja leider nicht auf E-Mails beschränkt. Täglich treffen wir rund 20.000 Entscheidungen, das habe ich in meinem Artikel über Mut schon erwähnt. Aber mal echt: Mein vollstes Verständnis für Hadern, Unsicherheit und Un-Mut an vielen Stellen unseres Lebens. Aber heute geht es mir nicht um die großen Lebensentscheidungen. Die zu treffen will gut überlegt sein. Mir geht es um Entscheidungen im Berufsleben. Diese die mit Funktion und Verantwortungsbereich zu tun haben, also in meiner Macht liegen. Das Zahnrad, dass ich drehen muss, um ein Ergebnis zu erzielen. Auch die müssen nicht aus dem Bauch raus und unüberlegt überhastet getroffen werden. Bewahre! Aber hej, nicht zu entscheiden und jedes mal einen CC- Eiertanz aufzuführen bringt echt keinem was.

Schwimmen in der Nicht-Entscheiden-Möglichkeitssuppe

Die Motivation Entscheidungen nicht zu treffen, liegen aus meiner Sicht darin, dass man sich nicht angreifbar machen möchte. Eine Entscheidung hat einen Punkt zu folge, an dem sichtbar wird, was gemacht wurde. Ein Beweis. Uuuuh! Da verstecke ich mich doch lieber bis zum Hals in der Nicht-Entscheiden-Möglichkeitssupppe. Da ist so schön warm, so schön harmonisch. Nur leider hat sie keinen Abfluss. Ups, ekliges Bild.

Ja, aber das ist es doch! Mache ich nichts, mache ich nichts falsch. Klasse! Alles richtig! Suuuper, du erlebst mich schwer beeindruckt. Aber Moment mal? Was soll ich denn jetzt eigentlich bewundern?

Eine Welt, in der man nur noch nicht-entscheidet, da liefe dann auch nichts mehr falsch. Naja, und auch sonst echt nix. Die öde Welt der Pseudo-Geschäftigkeit. Mäandern wir so vor uns hin und bewundern uns gegenseitig für das glänzende fehlerfreie Nix.

Ach, wenn dann einer entscheidet, dann machen wir ihn mit dem Satz “Ich sehe das differenzierter.” nieder. Bäm! Denn mal ehrlich: So ungefähr jedes Arbeitsergebnis könnte besser, durchdachter, anders, verfeinert oder fiffiger sein. Könnte. Musses aber nicht.

Entscheidungen gehören schlicht dazu

Ich sag ja jetzt auch nicht, dass ab sofort alle alles falsch machen sollen oder dürfen. Das ist Quatsch. Aber so ein gesundes Verhältnis zu dem ein oder anderen Fehlversuch brächte sicherlich einiges in Fluss.

Dieses wunderbare Nichtentscheiden funktioniert in den Büros dieses Landes so gut, weil wir uns so herrlich eingespielt haben. Das Business Theater läuft. Niemand arbeitet mehr, sondern alle tun so als ob. Denn der Kollege, der nicht entscheidet, macht es dir ja auch bequem. Denn dann musst du nicht mehr selbst Sätze sagen, wie: “Das kann ich jetzt aber auf dieser Grundlage nicht entscheiden.”
Wer einen etwas differenzierteren Blick auf Entscheidungen lesen mag, ist bei Uwe Rotermund gut aufgehoben. Ein sehr kluger Artikel über eine Organisationsform der Zukunft. http://www.uwe-rotermund.de/blog-reader/wer-entscheidet.html

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