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Work-Life-Whatever

Noch gar nicht so lange her, da achtete man, war man auf der Höhe der Zeit, auf seine Work-Life-Balance. Mittlerweile erwartet die viel zitierte Generation Y eher ein Work-Life-Blending. Und die neuesten Konzepte, die beispielsweise in der Microsoftzentrale in München umgesetzt sind, versprechen einen Work-Life-Flow.

Dabei geht es immer darum, Arbeiten und Leben in eine gesunde Relation zu setzen. Auf der einen Seite steht das Arbeiten und sein Business-Theater – so nennt es Lars Vollmer in seinem sehr lesenswerten Buch „Zurück an die Arbeit“ (Rezension folgt). Auf der anderen Seite das Leben mit Freunden und Familie, Freizeit und Hobbies. Diese beiden sollten bei der Work-Life-Balance noch nebeneinander und in eben namensgebender Balance stehen. Erfüllt auf der einen und auf der anderen Seite. Klappt das, dann sind wir ausgeglichen und zufrieden. Aber in diesem Konzept sind wir zwei – also einer der arbeitet, der andere der lebt. Ist das nicht bezeichnend für ein leider immer noch vorherrschendes Verständnis von Arbeit? Das Arbeiten findet woanders statt! Nicht im echten Leben.

 

Warum nur das eine oder das andere?

In den neueren Begriffen, Work-Life-Blending oder -Flow, geht das Leben und Arbeiten plötzlich doch miteinander. In den Konzernfluren erlebt man seit Jahren eine sanfte Auflockerung des alten Schemas von der Trennung von Privat- und Berufsleben. Der Umgangston zum Beispiel wird lockerer und die gemeinsamen Aktivitäten von „nur“ Kollegen in der Freizeit nehmen zu. Ist das jetzt schon ein Blending oder schon ein Flow?

 

Interessant ist das neue Bürokonzept, aber vor allem das Arbeitszeitkonzept von Microsoft in München tatsächlich. Einige andere Firmen (u.a. Siemens) haben diese oder ähnliche Ideen auch schon umgesetzt. Von einer flächendeckenden Umsetzung allerdings sind wir doch weit, weit entfernt. Zum Thema Work-Life-Whatever ist nicht vorrangig das Bürokonzept, bei dem keiner mehr einen festen Platz, sondern lediglich ein Schließfach hat, ausschlaggebend aus meiner Sicht. Sondern viel mehr die Arbeitszeitregelung: Es gibt keine mehr.

 

Mach einfach deine Arbeit

Jedem ist es selbst überlassen, wann und von wo er arbeitet. Für mich ist das die Zukunft der Arbeit. Dies erfordert ein enormes Vertrauen der Führenden, derer, die dann „nur noch“ in der Sache führen, begleiten und Sparrings-Partner sind. Und dann geht es auch nicht darum aufzupassen, ob der Arbeitnehmer zu viel oder zu wenig arbeitet. Das kann der nämlich selbst ziemlich gut, wenn man ihn lässt.

Ernsthaft umgesetzt ist dieses Konzept erst dann, wenn es nicht nur normal ist rund um die Uhr zu arbeiten, sondern eben ganz normal ist, dass man dabei auch lebt. Denn es kann mal sein, dass zu den eigentlichen Bürozeiten, anderes wichtiger ist. Und das muss dann die Chefin und der Kollege nicht nur ab und zu mal dulden, sondern akzeptieren. Ich kann sie schon hören, die „Abers“.

 

Jeder lebt und arbeitet gleichzeitig

Tatsächlich ist es so: während man die Präsentationen für den Chef oder die Excel-Tabellen für das nächste Meeting bearbeitet, lebt man. Die Person, die sich damit beschäftigt, atmet, fühlt, sieht, hört und ist. Vielleicht hat sie grad Hunger, vielleicht denkt sie freudig an eine bevorstehende Verabredung. Vielleicht ist sie müde oder hat heute keine Lust oder ein komisches Gefühl, bei diesem Gespräch. Warum diese Gefühle übrigens vollends zur Arbeit gehören, beschreibt Ardalan Ibrahim ziemlich eindrucksvoll auf arbeiten4punkt0.org Er geht so weit zu sagen, dass sie Gefühle der Mitarbeiter systemisch (zu) dem Unternehmen gehören. Und meint: „Fatal für Unternehmen ist daher ein vielerorts grassierendes falsches Verständnis von ‚Professionalisierung‘, das sowohl unmittelbar als auch mittelbar dahin mündet, dass Mitunternehmer sich über ihre Gefühlswahrnehmungen nicht mehr austauschen.“

Fakt ist – geht man soweit oder nicht: All das ist dabei, wenn die Präsentation erstellt wird. Und nicht nur von einem Menschen, sondern von ganzen Teams, vielen Menschen. Was hat uns nur dazu bewogen, dies jahrelang und hartnäckig zu negieren? Dem bin ich in der Tiefe auch noch nicht auf den Grund gegangen. Ich war diesbezüglich mal auf der Spur der Angst. Angst vor Kontrollverlust oder Machtverlust. Aber wie gesagt, noch dieser Gedankengang ist noch nicht beendet. Jedoch bin ich mir sicher, dass es mit dem Bejahen des Menschen hinter dem Arbeiter beginnen muss.

 

Jetzt doch Work-Life-Balance?

Wie die „alten“ Theorien zur Work-Life-Balance, bin ich mir ziemlich sicher, dass bei der Work-Life-Whatever, die als nächstes kommt eine wie auch immer geartete Balance irgendwie gut ist. Basis eines neuen Ansatzes von Arbeit ist aber Vertrauen. Vertrauen darin, dass der Mitarbeiter diese Balance selbst finden, wenn es ihnen erlaubt ist, selbst zu priorisieren. Und Arbeitszeitgestaltungen wie bei Microsoft sind dafür unbedingte Voraussetzung. Erst dann bin ich auch in der Lage (wieder) wirklich Freude in meiner Arbeit zu finden.

„Aber ich will Mitarbeiter, die alles für die Firma geben und nicht immer andere Prioritäten haben“, sagte mir kürzlich ein Agenturchef. In Zukunft wird es solche hoffentlich nicht mehr geben, denn die haben Work und Life so in einander vermischt, dass keiner mehr sehen kann, was wichtiger ist.

Wie macht ihr das? Balance, Blend, Flow oder Whatever?

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